Schlafen ohne Gefahr – Zungenschrittmacher

Wer denkt, getrennte Schlafzimmer sind immer ein Zeichen für eine angespannte Beziehungsphase, irrt. Nicht selten liegt die nächtliche Trennung schlicht daran, dass von einem der Partner eine ungeheure Lärmbelästigung ausgeht. Problem: Schnarchen.

Fast jeder zweite Bundesdeutsche produziert Schlafgeräusche, die mal mehr oder weniger laut oder sogar gesundheitsgefährdend sind. Für den Schnarcher besteht Handlungsbedarf, wenn es dabei zu Atemstillständen kommt. Der Fachausdruck dafür heißt Schlafapnoe. Gefährlich ist die Schlafapnoe, weil Atemaussetzer im Schlaf unter anderem zu Bluthochdruck, Kopfschmerzen und ständiger Übermüdung führen und das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigen lassen. Konventionell wird die obstruktive Schlafapnoe meist erfolgreich mit der Beatmungsmaske (CPAP-Maske) behandelt, die durch eine nächtliche Überdruckbeatmung einen Atemstillstand verhindert. Für nicht wenige Patienten ist dies jedoch eine eher unkomfortable oder nicht ausreichende Lösung. Alternativen waren bislang ein Schienensystem, das individuell nach Abformung der Zähne gefertigt, die Einengung des Rachenraums verringert und die Atemwege während des Schlafes mechanisch offen hält, oder auch operative Eingriffe im Rachen.

Am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen gibt es für Patienten, die mit den konventionellen Therapieverfahren nicht erfolgreich therapiert werden konnten nun eine neue Möglichkeit: die Implantation eines Zungenschrittmachers. In Frage kommt diese Therapie für Patienten, bei denen die Diagnose eine Erschlaffung und damit das Zurücksinken der Zunge während des Schlafes ist.
Chefarzt Dr. med. Winfried Hohenhorst sieht im Zungenschrittmacher für viele Patienten „eine große Chance auf einen gesunden Schlaf." Allerdings, so betont er, „ist dieses Verfahren nur für Patienten geeignet, die bestimmten Kriterien entsprechen." 
Starkes Übergewicht oder Herzinsuffizienz sollten ausgeschlossen sein. Sind die Voraussetzungen für die Implantation gegeben, kann der Zungenschrittmacher ähnlich wie ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

Unter dem Schlüsselbein angebracht, misst das Gerät über einen Sensor zwischen den Rippen den Druck der Lunge, und sendet bei der Einatmung per Kabel ein Signal an den Zungennerv. Ausgelöst durch diesen sanften Impuls spannt sich die Muskulatur der Zunge regelmäßig wieder an, verhindert ihr Zurücksinken und öffnet so die Atemwege. Ergebnis: Ein freies Atmen und ein ruhiger Schlaf werden wieder möglich. Ausgetauscht werden muss die Schrittmacherbatterie nach zirka acht bis zehn Jahren. Hohenhorst, der bereits vor acht Jahren den ersten Zungenschrittmacher implantiert hat und maßgeblich an der ersten weltweiten Multicenterstudie beteiligt war, bietet mit seinem Team - neben wenigen weiteren Kliniken in Deutschland - diese Therapie an. Er ist überzeugt: „Auf diesem Weg, kann vielen Patienten geholfen werden."

Kontakt
Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie
Chefarzt Dr. med. Winfried Hohenhorst

Ansprechpartner: Sebastian Putz: sebastian.putz@krupp-krankenhaus.de

 

 

 

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