AVM: Embolisation, Operation oder Bestrahlung?
Eine arteriovenöse Malformation (AVM) im Gehirn ist eine angeborene Gefäßfehlbildung, die oft zufällig entdeckt wird – manchmal nach einer Blutung, manchmal bei Untersuchungen aus anderen Gründen. Viele Betroffene haben jahrelang keine Beschwerden, doch je nach Fall besteht ein Blutungsrisiko. Kommt es zu einer Hirnblutung, kann diese bleibende neurologische Schäden hinterlassen oder sogar lebensbedrohlich sein. Deshalb wird nach gründlicher Einschätzung des Blutungsrisikos unter Umständen eine Behandlung empfohlen.
Die Behandlung erfolgt häufig über eine Embolisation – dabei wird die AVM über einen Katheter verschlossen. Auch eine operative Entfernung oder die Radiochirurgie kommen infrage. Oft werden mehrere Verfahren kombiniert – vor allem bei komplexen Fällen. Die radiochirurgische Bestrahlung bei einer AVM im Gehirn ist damit besonders bei Läsionen in kritischen Hirnregionen eine wichtige Option. Die Frage „AVM: Embolisation, Operation oder Bestrahlung?“ lässt sich nur individuell beantworten.
Bei einer AVM handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Blutgefäße im Gehirn. Normalerweise fließt das Blut von den Arterien über feine Kapillaren in die Venen. Bei einer AVM fehlt dieses Kapillarnetz. Arterien und Venen sind direkt miteinander verbunden, wie bei einem Kurzschluss.
Diese direkte Verbindung führt zu einem abnorm hohen Blutdruck in den Gefäßen. Die Gefäßwände sind oft dünnwandig und instabil, was das Risiko für Blutungen erhöht. Die Größe kann stark variieren – von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Auch die Lage spielt eine wichtige Rolle für die Therapieplanung.
Viele Menschen mit einer AVM haben zunächst keine Beschwerden. Die Fehlbildung wird oft zufällig bei einer Bildgebung entdeckt oder erst dann, wenn Symptome auftreten: Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, neurologische Ausfälle wie Sehstörungen oder Lähmungen, pulsierende Geräusche im Kopf oder eine Hirnblutung.
Das jährliche Blutungsrisiko einer unbehandelten AVM liegt bei etwa zwei bis vier Prozent. Hat bereits eine Blutung stattgefunden, steigt das Risiko deutlich an. Gerade bei jüngeren Patienten summiert sich das lebenslange Blutungsrisiko erheblich weshalb nach sorgfältiger ärztlicher Einschätzung eine Behandlung als sinnvoll erachtet werden kann.
AVM im Gehirn: Therapie kennt drei Hauptverfahren
Die Behandlung einer zerebralen arteriovenösen Malformation ist komplex und erfordert oft die Zusammenarbeit mehrerer Fachdisziplinen. Im Neurozentrum des Alfried Krupp Krankenhaus arbeiten deshalb Neurologen, Neuroradiologen, Neurochirurgen und Strahlentherapeuten eng zusammen.
Die Embolisation ist häufig die erste Wahl bei der AVM Gehirn-Therapie. Dabei wird ein Katheter meist über die Leiste eingeführt und ein spezieller Klebstoff in die Gefäßfehlbildung eingebracht. Ziel ist es, die AVM von innen zu verschließen und so das Blutungsrisiko zu senken.
Die Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am Alfried Krupp Krankenhaus unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med. René Chapot verfügt über langjährige Erfahrung in der Therapie arteriovenöser Malformationen. Das Verfahren erfolgt unter Vollnarkose und erfordert einen Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen.
Die mikrochirurgische Entfernung ist eine weitere etablierte Methode. Neurochirurgen öffnen den Schädel und entfernen die Gefäßfehlbildung unter dem Operationsmikroskop. Bei günstiger Lage und Größe kann dies eine dauerhafte Lösung sein.
Die Operation ist besonders geeignet bei kleineren bis mittelgroßen AVMs an der Hirnoberfläche sowie bei AVMs, die bereits geblutet haben. Bei tief gelegenen AVMs oder solchen in der Nähe wichtiger Hirnstrukturen steigt das Operationsrisiko jedoch erheblich.
Die Radiochirurgie bietet eine nicht-invasive Alternative vor allem für kleinere AVM. Besonders bei AVMs in der Nähe des Hirnstamms oder der Stammganglien kann die Bestrahlung bei einer AVM im Gehirn die sicherste Option sein. Zu beachten ist allerdings, dass es bis zum vollständigen Verschluss der AVM nach radiochirurgischer Bestrahlung bis zu 18 Monate und länger dauern kann. In dieser Zeit ist eine engmaschige Kontrolle weiterhin wichtig.
Die Bestrahlung einer AVM mit ZAP-X kommt vor allem in folgenden Situationen infrage:
- Kleine bis mittelgroße AVMs: Die Radiochirurgie bei AVM ist am erfolgreichsten bei Läsionen bis etwa 3 cm Durchmesser.
- Kritische Lage: Wenn die AVM im Hirnstamm, den Stammganglien oder anderen eloquenten Hirnregionen liegt, ist eine Operation oft zu risikoreich.
- Erhöhtes OP-Risiko: Bei Patienten mit Vorerkrankungen oder komplexer Gefäßanatomie kann die Radiochirurgie die sicherere Wahl sein.
- Restierende AVM nach Embolisation: Manchmal gelingt es nicht, eine AVM vollständig zu embolisieren. Die verbleibenden Anteile können dann bestrahlt werden.
Prof. Dr. med. René Chapot ist Chefarzt der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie und Teil des ZAP-X-Behandlungsteams am Alfried Krupp Krankenhaus. Gemeinsam mit Ihnen wird er die bestmögliche Therapie festlegen – ob Embolisation, Operation, Radiochirurgie oder eine Kombination mehrerer Verfahren.
Oft ist nicht ein einzelnes Verfahren die Lösung, sondern eine Kombination. Für komplexe AVMs wird häufig ein mehrstufiger Ansatz gewählt:
- Embolisation zur Verkleinerung der AVM
- Radiochirurgische Behandlung der verbliebenen Anteile
- Bei Bedarf weitere Embolisation oder OP
Die multimodale AVM-Therapie bietet die Chance, auch größere oder komplex strukturierte AVMs erfolgreich zu behandeln.
Jede AVM ist anders. Größe, Lage, Gefäßarchitektur und individuelles Blutungsrisiko müssen sorgfältig bewertet werden. Im Zentrum für Radiochirurgie des Alfried Krupp Krankenhaus arbeiten Experten aus Neuroradiologie, Neurochirurgie und Strahlentherapie Hand in Hand. In der interdisziplinären Konferenz wird jeder Fall besprochen und die beste Therapiestrategie entwickelt.
Wie funktioniert die Bestrahlung bei einer AVM im Gehirn?
Bei der Radiochirurgie bei AVM werden hoch dosierte Strahlenbündel aus vielen verschiedenen Richtungen präzise auf die Gefäßfehlbildung gerichtet. Jeder einzelne Strahl ist schwach genug, um gesundes Gewebe nicht zu schädigen. Erst im Zielpunkt addieren sich die Dosen zur therapeutischen Wirkung.
Die Behandlung erfolgt ambulant am Alfried Krupp Krankenhaus und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Sie erhalten eine individuell angepasste Fixierungsmaske und werden präzise positioniert. Die Bestrahlung selbst ist völlig schmerzfrei.
Die Wirkung tritt nicht sofort ein – das ist der wesentliche Unterschied zur Operation oder Embolisation. Die vollständige Verödung kann bis zu drei Jahre dauern. In dieser Zeit besteht weiterhin ein Blutungsrisiko, weshalb regelmäßige MRT-Kontrollen wichtig sind. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 70 bis 85 Prozent, abhängig von Größe und Lage der AVM.

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