Harnblasenkrebs: „Bösartiges Gewebe schonend entfernen“


Die Urologie im Alfried Krupp Krankenhaus ist Referenzzentrum für roboter-assistierte Operationstechniken. Bis zu 800 Harnblasentumore werden hier jährlich im DKG-zertifizierten uroonklogischen Zentrum behandelt. Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Stephan Buse erklärt im Interview die Ursachen und Therapien bei Harnblasenkrebs.
Harnblasenkrebs ist in der Urologie eine der häufigsten Krebsarten. Welche Ursachen gibt es?
Der Harnblasenkrebs ist meist eine erworbene Erkrankung. Sie kann durch Rauchen, Arbeiten mit Farben und Lacken oder andere chemische Stoffe ausgelöst werden. Ein weiterer Faktor ist möglicherweise eine genetische Belastung.
Welche Warnsignale gibt es und welche Symptome sind typisch?
Symptome sind meistens in den frühen Stadien von Harnblasenkrebs nicht vorhanden. Das größte Warnsignal ist eine sogenannte schmerzlose Makrohämaturie, also Blut im Urin. Wer das feststellt, sollte umgehend einen Urologen aufsuchen.
Erst im Spätstadium der Krebserkrankung können tatsächlich im Bereich des Beckens schmerzhafte Beschwerden auftreten, oft durch einen Rückstau von Blut oder Urin in den Nieren. Dann kommen die Patienten mit Flankenschmerzen und, wenn es tatsächlich schon Metastasen gibt, mit Beschwerden in den Gliedmaßen.
Welche Methoden werden in der Klinik für die Diagnostik des Blasenkarzinoms verwendet?
Die Diagnostik des Blasenkarzinoms erfolgt durch eine Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie). Hier gibt es mehrere Techniken. Mittels einer starren oder flexiblen Urethrozystoskopie werden Harnröhre und Harnblase untersucht, wobei während der flexiblen Urethrozystoskopie auch Gewebeproben entnommen werden können.
Wird die Fluoreszenztechnik eingesetzt, erhält der Patient im Vorfeld ein fluoreszierendes Gel. So kann in einer sogenannten Blaulicht-Blasenspiegelung das Gewebe beurteilt werden. Diese Technik wird häufig zur Früherkennung von Blasenkrebs eingesetzt.
Welche Arten von Blasenkrebs gibt es?
Blasenkrebs kann sehr unterschiedlich sein. Die am häufigsten vorkommenden Art sind glücklicherweise oberflächliche Tumore. Diese können sehr gut behandelt werden, indem wir sie operativ entfernt werden. Möglicherweise wird zusätzlich ein lokales Immun- oder Chemotherapeutikum in der Blase verabreicht.
Bei rund einem Viertel des diagnostizierten Harnblasenkrebserkrankungen treten muskelinvasive Blasenkarzinome auf. In diesen Fälle ist die Krebserkrankung meist schon weiter fortgeschrittenen, der bösartige Tumor in die Muskelschicht der Blasenwand eingewachsen. Das Risiko für Lymphknoten- oder Organmetastasen ist deutlich erhöht. Hier ist eine zusätzliche Diagnostik mittels Bildgebung, also CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) erforderlich. Muskelinvasive Tumore ziehen meistens eine Entfernung der Harnblase nach sich, um das bösartige Gewebe vollständig zu entfernen.
Bei der Operation von Harnblasenkrebs setzten Sie einen Operationsroboter ein.
Richtig. Harnblasen-Karzinome, die muskelinvasiv und fortgeschritten sind, operieren wir mit dem neusten Da-Vinci 5. In nur einer Operation entfernen wir die Harnblase und sorgen gleichzeitig für die künftige Harnableitung. Mit Unterstützung des Operationsroboters legen wir ein Ileum-Conduits (künstlicher Ausgang) oder eine Neoblase mit gesunden Gewebe des Patienten an.
Die Neoblase ist Reservoir für Urin, was wieder an die Harnröhre angeschlossen wird. Der Patienten braucht dann keinen künstlichen Ausgang. Die Operation ist minimalinvasiv, sie wird bei geschlossener Bauchdecke durchführt. Eine äußerst schonende Methode, der Patient ist danach meist schnell wieder erholt.
Video: Schonendere OP mit dem DaVinci 5: Chefarzt erklärt Roboterchirurgie in der Urologie Essen
Wie wirkt sich der Harnblasenkrebs auf die Lebensqualität aus und welche Unterstützungsangebote gibt es vor oder nach der Operation?
Für den Fall, das die Harnblase entfernt werden muss, kommt es auf verschiedene Faktoren an: Können wir einen künstlichen Ausgang oder eine Neoblase machen?
Ist neben der Operation eine Chemotherapie erforderlich?
In jedem Fall ist es uns sehr wichtig, unsere Patienten umfangreich über alle Vor- und Nachteile aufzuklären – auch für die Zeit nach der Operation. Es sind oft gar nicht so viele lebensverändernden Dinge, auf die Patienten sich nach einer erfolgreichen Operation einstellen müssen. Wir arbeiten hier in Essen eng mit einer Selbsthilfegruppe zusammen, bei der die Patienten sich erkundigen können, wie ihr Leben nach einer Operation aussehen könnte.
Video: Minimalinvasiv operieren mit dem Da Vinci 5: Anforderungen, Training und Anwendung in der Urologie
Die roboter-assistierte Operationstechnik gehört international zu den Highlights in der Urologie. Inwieweit ist Ihre Klinik und das Zentrum vernetzt?
Wir beschäftigen uns bereits seit 21 Jahren mit der robotischen Operation der Da-Vinci-Technik. Sehr früh haben wir nicht nur den Prostatakrebs damit behandelt, sondern operieren bereits seit 16 Jahren auch den Harnblasenkrebs damit. Wir gehören zu den ersten Kliniken in Europa, die diese Technik etabliert hat und sind Pioniere der minimalinvasiven Neoblase.
Heute trainieren wir Operateure in internationalen Trainingszentren beispielswiese in Straßburg und am Karolinska Institut in Stockholm. Zudem unterstützen wir Kollegen von Finnland bis Süditalien, bei den ersten roboter-assistierten radikalen Zystektomien – also der Entfernung der Harnblase. Der fachliche Austausch ist wesentlicher Baustein der stetigen Weiterentwicklung der Operationstechnik.
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