Shifaa 1: Medizinische Hilfe für Syrien

Tawfiq Ghonaim bei einer Operation in Syrien

Ein Team der ARD hat den Hilfseinsatz im April 2025 in Syrien begleitet. Zu sehen ist der Beitrag in der ARD-Mediathek unter Weltspiegel: Syrien – Medizinischer Notstand

Tawfiq Ghonaim ist Oberarzt in der Klinik für Gefäßchirurgie und Angiologie und arbeitet seit 2017 im Alfried Krupp Krankenhaus.
Nachdem er in Damaskus Medizin studiert und dort eineinhalb Jahre gearbeitet hatte, wechselte er an das St. Josef-Hospital in Hagen, um in Deutschland seine Facharztweiterbildung zu beenden – erst in der Allgemein- und Viszeralchirurgie, dann in der Gefäßchirurgie.
Währenddessen begann der Krieg in Syrien.
Tawfiq Ghonaim (M.D. syr.), Oberarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Angiologie des Alfried Krupp Krankenhaus, reiste bereits im vergangenen Jahr mit über 100 syrischen Kolleginnen und Kollegen in sein Geburtsland, um die Bevölkerung mit kostenlosen medizinischen Untersuchungen und Behandlungen zu unterstützen. Für das Frühjahr 2026 plant der Gefäßchirurg einen weiteren Hilfseinsatz.
Arbeiten im Ausnahmezustand
Zum Zeitpunkt der ersten Reise im April 2025 lag die syrische Gesundheitsversorgung am Boden. Wenige Monate nach Kriegsende machten zerstörte Krankenhäuser, fehlendes Personal und ein erheblicher Mangel an Medizinprodukten viele dringend notwendige Eingriffe aufwendig bis unmöglich.
„Der Zustand der Krankenhäuser war katastrophal“, erinnert sich Tawfiq Ghonaim. „Patienten, die dort operiert werden sollten, mussten alles selbst bezahlen und auch die Materialen selbst mitbringen. Sie kamen tatsächlich mit einer großen Tüte ins Krankenhaus. Da war alles drin – von den Medikamenten über Fäden und Verbandsmaterial bis hin zu den Stents und Prothesen.“
Ein unvorstellbarer und auch hygienisch fragwürdiger Umstand, bedingt durch einen jahrelangen zermürbenden Krieg, Nachlässigkeiten des Assad-Regimes im medizinischen Sektor sowie Sanktionen gegen den damaligen Machthaber.
„Jedes deutsche Krankenhaus hat im OP ein Lager für notwendige Materialien wie zum Beispiel Stents. Operationstechnische Assistenten bringen alles, was die Chirurgen anfordern, binnen Sekunden an den Tisch. In Syrien mussten wir dagegen Operationen stundenlang unterbrechen, weil der passende Stent erst aus einer anderen Stadt geholt wurde“, beschreibt Ghonaim die Situation.
Trotz der widrigen Bedingungen gelang es dem Team des Hilfsprojektes „Shifaa 1“, während des vierwöchigen Aufenthaltes 2025 rund 770 Interventionen und Operationen durchzuführen. Die Ärztinnen und Ärzte, allesamt in deutschen und europäischen Krankenhäusern tätig, reisten auf eigene Kosten nach Syrien und operierten als Gäste in den Krankenhäusern von Damaskus, Aleppo, Homs, Hama, Idleb, Latakia und Dara´a – zusätzlich zum dortigen Normalprogramm.
Hoffen auf Verbesserungen
„Im Frühling 2026 möchte ich wieder nach Syrien reisen, um Patienten zu helfen und mir ein Bild von der Lage vor Ort zu machen“, erzählt Tawfiq Ghonaim, der seit seiner Facharztausbildung in Deutschland lebt und sein Heimatland wegen des Krieges jahrelang nicht besuchen konnte. Er hofft, dass sich die Zustände in den syrischen Krankenhäusern inzwischen etwas verbessert haben – auch weil die Sanktionen nach und nach gelockert werden und Länder wie Deutschland medizinische Entwicklungshilfe versprochen haben. „Diesmal werde ich auch meine Familie mitnehmen können“, freut er sich. „Noch Anfang des Jahres war das viel zu gefährlich.“
Weitere Informationen
„Shifaa 1“ ist eine medizinische humanitäre Initiative, die in Deutschland auf Bestreben des jetzigen syrischen Gesundheitsministers Dr. Musab Al Ali gegründet wurde. Dr. Al Ali war selbst als Neurochirurg in Deutschland tätig und möchte die Expertise der im Ausland tätigen syrischen Kollegen nutzen, um die medizinische Versorgung in seinem Land zu verbessern. Seit der ersten gemeinsamen Aktion im April 2025, die durch individuelle Spenden und die „Independent Doctors Association IDA“ unterstützt worden war, versuchen die Mitglieder von Shifaa 1 weiterhin regelmäßig zu helfen.
Shifa ist arabisch und bedeutet „Heilung“.
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