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Dr. med. Birgit Jäger
Ärztliche Leitung
Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie

Linearbeschleuniger Elekta Synergy

Kontaktinfos

Moderne Strahlentherapie ist ein wichtiger Baustein zur Behandlung von Krebserkrankungen. Der Einsatz unsichtbarer Strahlung weckt jedoch bei Patienten oft Unsicherheiten. Dr. med. Birgit Jäger, Ärztliche Leiterin der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am Alfried Krupp Krankenhaus, nimmt sich deshalb Zeit für die Aufklärung und Betreuung ihrer Patienten. Im Interview erzählt sie, wie Strahlentherapie bei Krebserkrankungen helfen kann.

Frau Dr. Jäger, Sie kommen gerade aus einer sogenannten „Tumorkonferenz“. Was passiert da?

Wenn zum Beispiel der Frauenarzt Brustkrebs festgestellt hat oder der Lungenfacharzt Lungenkrebs, dann werden diese Fälle in einer prätherapeutischen Tumorkonferenz vorgestellt. Wir beschäftigen uns dort mit Fragen wie: Kann man sofort operieren? Oder ist eine Chemotherapie vorher besser? Soll bestrahlt werden? Je nach Lokalisation und Art des Tumors kann Strahlentherapie unter Umständen allein oder in Kombination mit einer Chemotherapie oder Operation zur Heilung beitragen.

Wie hilft die Strahlung dabei, Tumoren zu bekämpfen?

Strahlentherapie verändert die Erbinformationen der Tumorzellen, sodass diese nach etwa zehn bis zwölf Zellteilungszyklen nicht mehr wissen, dass sie Tumorzellen sind. Dann sterben sie ab.

Dazu muss in einer bestimmten Zellzyklusphase eingegriffen werden. Das Wissen, wie unterschiedlich Tumoren wachsen und wie häufig sie sich teilen, gehört zum Grundverständnis der Strahlentherapie. Ein schnell wachsender Tumor ist dabei manchmal sogar besser zu therapieren als ein langsam wachsender.

Wie stellen Sie sicher, dass nur der Tumor durch die Strahlung zerstört wird?

Strahlentherapie muss immer die Balance zwischen Schädigung der Tumorzellen und Schonung der gesunden Zellen finden. Während die beschädigten Tumorzellen absterben, sollen sich die gesunden Zellen erholen können.

Wir machen von jedem Patienten eine Computertomographie zur Bestrahlungsplanung. Dabei ist es wichtig, dass der Patient schon genau so liegt, wie nachher zur Bestrahlung. Die Planungs-CT-Bilder werden in Abständen von drei Millimetern gemacht. In jede Schicht wird eingezeichnet, welches Gewebe bestrahlt und welches geschont werden muss. Aus diesen Angaben macht anschließend ein Medizinphysik-Experte den Bestrahlungsplan. Er weiß genau, wann die Wirkung im Zielvolumen 100 Prozent erreicht und wie viel Strahlung anderes Gewebe oder Organe abbekommen dürfen.

Der entstandene Bestrahlungsplan wird dann direkt in das Strahlungsgerät, den Linearbeschleuniger, übertragen. Am Gerät kontrollieren wir mit weiteren CT-Bildern, ob das Zielvolumen exakt erfasst ist. Erst dann wird bestrahlt. Die Kontrollaufnahmen werden mindestens einmal in der Woche wiederholt und dienen der absoluten Sicherheit des Patienten.

Wie häufig muss ein Tumor bestrahlt werden, bis er zerstört ist?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. In der Regel bestrahlen wir einmal am Tag mit einer Dosis, die einen von uns bestimmten Zellschaden anrichtet. An zwei Tagen in der Woche muss pausiert werden. Bildgebende Verfahren zur Kontrolle des Therapieeffekts sollten frühestens sechs Wochen nach Bestrahlungsende erfolgen.

Können bei der Strahlentherapie auch Nebenwirkungen auftreten?

Je nach Dosis oder zu bestrahlender Körperregion kann es Nebenwirkungen geben. Wenn Sie im Bauch bestrahlen, gibt es möglicherweise eine Neigung zu Blähungen oder Durchfall. Bei Weichteiltumoren am Unterschenkel oder am Arm sind zum Beispiel Hautveränderungen vorstellbar. Die allermeisten Nebenwirkungen lassen sich jedoch gut behandeln. Wichtig ist, dass die Patienten uns bei Beschwerden oder Schmerzen sofort Rückmeldung geben.

Wie lange dauert die Nachsorge?

Grundsätzlich betreuen wir unsere Patienten in einer fünfjährigen Überwachungsphase. Der Patient wird nach drei Monaten, nach sechs Monaten und dann jährlich umfassend auf Spätfolgen der Bestrahlung untersucht. Die sogenannte tumorspezifische Nachsorge erfolgt durch den jeweiligen Facharzt, z.B. den Gynäkologen beim Brustkrebs oder den Urologen beim Prostatakrebs.

Müssen Patienten Angst vor einer Bestrahlung haben?

Nein. Heute kann dank moderner Linearbeschleuniger sehr präzise und kleinvolumig bestrahlt werden. Nebenwirkungen treten seltener oder in abgeschwächter Form auf. Vielen Patienten ist es natürlich trotzdem unheimlich, dass sie von etwas behandelt werden, das sie nicht sehen. Ebenso wichtig wie die moderne Medizintechnik ist deshalb die psychologische Betreuung jedes Einzelnen. Mit der Diagnose Krebs stehen die Patienten ohnehin schon unter großer psychischer Belastung. Für den Therapieerfolg ist daher auch eine gute Beratung und viel Unterstützung nötig. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit.

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